Henry James
Die Aspern-Schriften

Henry James

Henry James, wurde am 15. April 1843 in New York geboren und starb am 28. Februar 1916 als naturalisierter Eng­länder in Chelsea in England. Er stammte aus einer wohl­habenden Familie (»die es sich seit zwei Genera­tionen nicht mehr hatte zu­schulden kommen lassen, auch nur eine Hand im Geschäft­lichen zu rühren«) mit vier Geschwistern. Sein Vater war Religions­philosoph und Privat­gelehrter, seine Mutter eine tatkräftige Dame, die den Clan resolut zusammenhielt.

Henry James

Foto: Henry James ca. 1890. Fotograf unbekannt.
Frontispiz der Short Story Classics (American) Volume Three, edited by William Patten, copyright 1905 (Quelle: wikipedia)


Henry Jr. reiste bereits in jungen Jahren mit Vater und Brüdern durch Europa, lebte in London, Paris, Bologna, Genf und Bonn, wo er auch seine schulische Ausbildung erhielt. Geprägt von seiner intellektuell anspruchs­vollen Familie mit den stets konkurrierenden männ­lichen Mitgliedern, darunter dem älteren Bruder William James, einem später sehr aner­kannten Psychologen und Philosophen, und einer Schwester mit beklagens­wertem Schicksal – bei gleichwohl matriarchalischer Struktur, war doch die verehrte Mutter die dominierende Gestalt im exzentrisch-welt­fernen Haushalt –, las er von früher Jugend an die Klassiker der euro­päischen Literatur, mit hoher Wert­schätzung für die russische aber besonderer Vorliebe für die französische, und besonders begeisterte er sich für Balzac.

Bis 1872 pendelte er zwischen dem neuen und dem alten Kontinent hin und her, verließ Amerika aus Enttäuschung über die geringe Aner­kennung in seinem Heimatland und die grundsätzlich von ihm als ignorant empfundene Haltung allen Künsten und Künstlern gegenüber, und ließ sich zunächst in Paris nieder. Von dort aus reiste er viel durch Europa, vor allem Italien, und machte England 1875 endgültig zu seiner neuen Heimat. Erst 1905 kehrte er zum ersten Mal in seine Heimat­stadt New York zurück. In seinen ersten euro­päischen Jahren war sein vorrangiges literarisches Thema das Porträt von im Ausland lebenden Amerikanern und der Gegensatz der Lebens­weisen und Kulturen. In dieser Schaffens­phase entstanden die Werke Roderick Hudson (1876), Die Amerikaner (1877), Daisy Miller (1879) und Bildnis einer Dame (1881).


Die Aspern-Schriften
übersetzt von Bettina Blumenberg

THE ASPERN PAPERS erschien 1888 in Fortsetzungen in der Zeitschrift ›Atlantic Monthly‹ von März bis Mai. Zwischen 1906 und 1910 revidierte James seine Romane und Erzählungen für die zwischen 1907 und 1918 erschienene New Yorker Gesamt­ausgabe in 26 Bänden. So auch diese Erzählung, wobei er neben vielen sprachlichen »An­spitzungen« den Namen von Miss Tita in Tina umwandelte.

Die 2003 von Werner Schauer für den triptychon literaturverlag in die Wege geleitete Neuübersetzung der ASPERN PAPERS von Bettina Blumenberg wurde von den Feuilletons vieler wichtiger Zeitungen geradezu bejubelt und schaffte es auf Platz 1 der SWR Bestenliste. Viele Kritiker halten das Werk immer noch für die bedeutendste seiner Erzählungen.

Henry James Die Aspern-Schriften


»Als Henry James diese Erzählung 1888 schrieb, hatte er seine literarische Technik zu einer Voll­kommen­heit verfeinert (...). Die Indirektheit seines Stils, der Anspielungs­reichtum und die stetig sich verknappende, immer komplexer werdende Sprache, die er gern einem Erzähler in den Mund legte, gar nicht zu reden von der Rigorosität und Unerbittlichkeit seiner Ironie, mit der er seinen Figuren zu Leibe rückte, hatten ihn zunehmend zu einem Autor für literarisch Gebildete gemacht, so hieß es, lieber möchte ich sagen, für Lesende, die an der kleinen Mühe der Entschlüsselung, am Gedanken­spiel des erhellenden Lesens Lust haben. Gerade bei dieser Erzählung drängt sich die Empfindung auf, dass die Lust am Text Ersatz für die im Text selbst nicht gebotene, ja verweigerte Lust ist. Denn neben der Zuspitzung seiner lite­rarischen Methode führt James hier auch eines seiner Lebensthemen zu einem Höhepunkt: das nicht gelebte Leben, nenne man es auch das verfehlte, verspielte, verhinderte, das freudlose.

Nirgendwo vollzieht er die Durch­führung des Motivs so rück­halt­los auf allen Ebenen, so variantenreich nicht nur in der Darstellung der Personen und ihres stets irrigen Tuns, sondern sogar in Bezug auf den Ort der Handlung und seine Schau­plätze, die immer Kulisse sind. Welch eine Kunst der Auslassung oder der Unterlassung, Venedig zur Bühne des Geschehens zu machen und die Lagunen­stadt völlig ihrer roman­tischen Allusionen und kulturellen Accessoires zu entkleiden, so dass nichts als düstere Kanäle, ein verfallender Palazzo und ein unwirtlicher Lido übrig bleiben, eine Stadt, die ansonsten aus dem Markusplatz mit Café Florian besteht, außerhalb dessen man sich hoffnungslos verläuft. Welch eine Kunst, einer Stadt wie Venedig eine solche Seelenkälte einzuhauchen, denn Seelen­landschaft ist hier alles.«

(Aus dem Nachwort von Bettina Blumenberg)

208 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag,
Format 125 x 200 mm, € 16,80
ISBN-13: 978-3935993043
auch als dtv-Taschenbuch lieferbar.

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